"Wir rücken die soziale Komponente der Demografiediskussion in den Fokus"

Die DEVK ist eine der neuen Initiatorinnen des #ddp2022 und hat das Themenspektrum des Preises um die Kategorie „Soziale Sicherheit mit Zukunft“ erweitert – ein ebenso spannendes wie erklärungswürdiges Entwicklungsfeld.

Wir haben Jury-Vorsitzenden Reiner Bieck gefragt, was es mit dieser Kategorie auf sich hat und welche Projekte er auszeichnen möchte.

Was verbirgt sich hinter dem Namen „Soziale Sicherheit mit Zukunft“?

Ausschlaggebend für die Entwicklung der Kategorie war für uns die Erkenntnis, dass die soziale Komponente in der demografischen Debatte bislang viel zu kurz kommt. Deshalb rücken wir sie in den Fokus. Aktuell ist besonders das Thema Wissenstransfer sehr präsent. Das rührt daher, dass in den kommenden Jahren die Babyboomer in den Ruhestand gehen und mit den Menschen auch viel Wissen die Firmen verlässt. Und da lassen sich Unternehmen viel einfallen, um dieses zu sichern. Dass aber mit den Leuten riesiges Potenzial in den Ruhestand geht, das aktiv in die Vorsorge über die gesetzliche Rente investiert, wird weniger diskutiert. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass dadurch auch das Verhältnis zwischen denjenigen, die in die Rentenkasse einzahlen, und denjenigen, die von der Rente leben, aus dem Gleichgewicht gerät.

Ist die soziale Komponente auch politisch unterrepräsentiert?

Die Bundesregierung erkennt das Thema zwar an, aber die Grundaussage lautet immer: Die Rente ist sicher. Bestimmt ist sie in irgendeiner Form sicher. Aber ob das zum Leben reicht, ist eine andere Frage. Ich sehe das Problem bei uns in der Beratung: Viele Kunden sparen als allererstes an den Vorsorgeprodukten. Weil die Einsicht in die Notwendigkeit fehlt, für etwas zeitlich vielleicht noch weit Entferntes zu sparen. Damit sind viele familiäre und soziale Konflikte vorprogrammiert, mit denen unsere Gesellschaft nicht klarkommen wird.

Wie reagiert ihr als Versicherung auf dieses Desinteresse?

Versicherungen verkaufen sich immer dann am besten, wenn persönliche Betroffenheit herrscht. Als zum Beispiel die Flutkatastrophe das Aartal heimgesucht hat, war die Nachfrage nach Elementarversicherungen enorm. Aber was müsste passieren, damit unsere Kunden begreifen, dass sie fürs Alter vorsorgen müssen? Wir machen uns zu wenig Gedanken darüber, wie sich unser Leben im sozialen Kontext in Zukunft verändert und wie wir diese Veränderungen gestalten können. Meine Jury-Kolleg*innen sind da übrigens ganz mit mir auf einer Linie. Und das sind Fachleute, die sich schon lange mit dem Thema befassen. Das bestärkt uns darin, dass diese neue Kategorie für den Demografie Preis wichtig ist.

Welche Projekte wollt ihr auszeichnen? Wer kann sich hier bewerben?

Projekte, die die längst überfällige Diskussion anfachen oder Lösungsideen aufzeigen. Das müssen keine ausgereiften Konzepte für alternative Sozialsysteme oder fertige Forschungsergebnisse sein. Was wir suchen, sind Leute, die Lust haben, sich mit Fragen auseinanderzusetzen wie: Welche Bedürfnisse haben wir im Alter? Was muss man dafür tun, um diese zu erfüllen? Wie verändert sich das soziale Zielbild? Wir wollen Ideen auszeichnen, die das Thema in unterschiedliche demografische Ebenen in die Diskussion bringen.