Preisträger*in: Gesundheit ganzheitlich gestalten
Off Road Kids Stiftung
Was ist die Off Road Kids Stiftung und wie habt ihr das Projekt umgesetzt? Was ist die Motivation dahinter?
Die Off Road Kids Stiftung ist das einzige bundesweit verfügbare Hilfe- und Beratungsangebot für obdachlose Minderjährige und junge Volljährige. Die Stiftung betreibt zusätzlich zur Internet-Streetwork-Station „sofahopper.de“ auch Beratungsstellen vor Ort in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Hamburg und Köln. Für junge Menschen, die bereits vollkommen obdachlos sind und direkt in die Beratungsstellen kommen, ist gesundheitliche Prävention von existentieller Bedeutung. Eine gefährliche Geschlechtskrankheit, eine übersehene psychische Erkrankung oder eine ungewollte Schwangerschaft werden auf der Straße schlagartig zur Hürde für ein sicheres Zuhause und eine selbstbestimmte Zukunft. Deshalb hat die Off Road Kids Stiftung gemeinsam mit Krankenkassen das Programm STREETWORK+ auf die eigentliche Beratungsarbeit aufgesetzt und alle sozialpädagogischen Fachkräfte zu gesundheitlichen Themen geschult und als Mental Health First Aid-Ersthelfer ausgebildet.
Welche Wirkung bzw. welchen Mehrwert erzielt das Projekt?
Der Mehrwert des Off Road Kids-Projekts STREETWORK+ liegt auf der Hand: Jährlich mehr als 7.000 Gespräche mit jungen obdachlosen zu einzelnen Gesundheitsthemen sorgen einerseits für weniger Infektionen und medizinische Dramen bei jungen Obdachlosen und erhöhen andererseits aufgrund der besseren gesundheitlichen Situation die Geschwindigkeit bei der Suche nach passenden neuen Lebensperspektiven.
Warum habt ihr euch für den Deutschen Demografie Preis beworben? Welchen Beitrag leistet euer Projekt bei der Bewältigung des demografischen Wandels?
Es gibt zwei Gründe für die Bewerbung der Off Road Kids Stiftung für den Deutschen Demografie Preis: Zum einen ist die Wirkung des Projekts STREETWORK+ sowohl hilfreich für den einzelnen obdachlosen jungen Menschen als auch für das Erscheinungsbild unserer Gesellschaft heute und finanziell gut für künftige Generationen, die weniger Soziallast zu tragen müssen. Zum anderen haben wir mit der Gründung der Hilfsorganisation Off Road Kids vor 33 Jahren als damals noch sehr junge Bürger und Bürgerinnen im Laufe der Jahre nachgewiesen, dass junge Bürger in Deutschland sehr wohl auch in völlig durchstrukturierten Bereichen wie der Jugendhilfe Missstände aktiv beheben dürfen – wenngleich sie das dafür benötigte Geld selbst organisieren müssen. Aber immerhin: Unser Staat darf von und mit Bürgerinnen und Bürgern mit gesamtgesellschaftlichem Blick auch ohne parteipolitische oder konfessionelle Ambition aktiv mitgestaltet werden. Das ist ein hohes Gut.