Nominiert: Zukunft der Arbeit gestalten

Tag in der Praxis (TiP)

Was ist euer Projekt und wie habt ihr es umgesetzt? Was war die Motivation dahinter?

Tag in der Praxis (TiP): ein Erfolgsmodell für die Fachkräftesicherung und die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern Einblicke in die Arbeitswelt: TiP bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ein Jahr lang an einem Tag pro Woche praktische Einblicke in Unternehmen zu gewinnen. Dabei lernen die jungen Menschen bis zu vier Betriebe und Berufe kennen. Gestemmt wird das Projekt von einem Netzwerk aus Schulamt, Arbeitsagentur, regionaler IHK und den Kreishandwerkerschaften Nordthüringens. Betriebe kommen durch TiP mit zahlreichen potenziellen Auszubildenden in Kontakt und können sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. TiP wurde 2022 mit drei Regelschulen, 180 Schülern und 120 Betrieben gestartet und wurde stetig weiterentwickelt. In der Zwischenzeit nehmen mehr als 1.400 Schüler, 60 Prozent der Regelschulen und eine Förderschule sowie über 1.200 Betriebe an TiP in Nordthüringen teil. Die Motivation hinter TiP liegt in der demografischen Herausforderung Nordthüringens. „Qualifizierte Arbeitskräfte fehlen in vielen Bereichen. Wir verfolgen mit TiP zwei Ziele. Erstens Fachkräftesicherung für die Unternehmen und zweitens ein guter Übergang von der Schule in den Beruf. Mit TiP sollen die jungen Menschen eine fundierte Berufswahlentscheidung treffen. Wir wollen Fachkräfte gewinnen und Jugendarbeitslosigkeit vermeiden, um damit Nordthüringen gemeinsam zu stärken“: fasst Karsten Froböse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Thüringen Nord, die Motivation hinter TiP zusammen.

Welche Wirkung bzw. welchen Mehrwert erzielt das Projekt?

„Der Tag in der Praxis bedeutet für mich, dass Unternehmen junge Menschen kennenlernen, diese bei ihrer Berufswahl begleiten und damit zukünftige Fachkräfte aus der Region gewinnen“, beschreibt Christian Böduel, Leiter des IHK-Regionalbüros Nordthüringen, den Nutzen von TiP sowohl für Schülerinnen und Schüler, wie auch Unternehmen. Weiter erklärt er: „Durch den wöchentlichen Praktikumstag bleibt bei Schülerinnen und Schülern die Berufsorientierung über ein Jahr im Fokus. Bei Unternehmen wird Kompetenz im Wissensmanagement aufgebaut. In Anbetracht der demografischen Entwicklung wird dies eine zukünftige Schlüsselkompetenz für unternehmerischen Erfolg sein.“ Mehr betriebliche Ausbildung: Die Zahl der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge ist in Deutschland 2025 um 2,6 Prozent gesunken. In Nordthüringen konnten wir durch TiP einen Anstieg um 3,5 Prozent erreichen (Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2025 in den Arbeitsagenturbezirken; bibb). Während viele Unternehmen in der Vergangenheit froh über jede Bewerbung für eine Ausbildung waren, können sie inzwischen wieder eine Auswahl unter den Bewerberinnen und Bewerbern treffen. Aber nicht nur die Qualität in der beruflichen Orientierung wurde mit TiP verbessert. Mit TiP können Arbeitgeber die jungen Menschen über eine längere Zeit persönlich kennenlernen, ihre praktischen Stärken beobachten, aber auch Einfluss auf sie nehmen. Sie können ihnen aufzeigen, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen und einen Schulabschluss zu erreichen. Die Unternehmen in Nordthüringen übernehmen mit TiP Verantwortung Mut zu machen, Talente zu entdecken und Orientierung in anspruchsvollen Zeiten zu geben. „Für mich ist TIP die optimale berufliche Orientierung und entspricht den Anforderungen einer modernen allumfassenden Ausbildung der jungen Menschen im Zusammenspiel mit der schulischen Bildung. TIP ist eine neue Art der beruflichen Orientierung, die es den Schülern ermöglicht, einen umfänglichen Einblick in die praktische Arbeitswelt zu erhalten“: beschreibt Ines Börner, Leiterin des Nordthüringer Schulamtes, den Mehrwert des Projektes. Stärkung der Berufsorientierung: Seit dem Beginn des TIP – Programmes werden an den Schulen regelmäßig Evaluationsveranstaltungen durchgeführt. Sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Eltern sind von TiP überzeugt. Die jungen Menschen haben teilweise schon frühzeitig Lehrstellen erhalten oder auch für sich selbst festgestellt, welcher Beruf ihnen zusagt. Lernen fürs Leben: Die Schülerinnen und Schüler lernen mit TiP, sich kontinuierlich mit praktischen Arbeitsabläufen auseinanderzusetzen. Die jungen Menschen verstehen den Sinn ihres schulisch erworbenen Wissens besser. Vielfach wird klar, dass u.a. Mathematik im zukünftigen Berufsleben eine wichtige Voraussetzung ist. Und das setzt beim Lernen in der Schule bei vielen Jugendlichen bisher verborgene Kräfte frei. Vernetzung von Wirtschaft und Schule: Durch den Tag in der Praxis entsteht um jede Schule ein eigenes Netzwerk mit Unternehmen und Betrieben dessen Herzschlag durch die vier Praktikumsphasen und den Bewerbungsprozess bestimmt wird. „Schule und Wirtschaft verbinden sich, lernen wichtige Aspekte voneinander kennen und entwickeln Verständnis für die jeweils aktuellen Herausforderungen des anderen“, so Sebastian Senft, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordthüringen. In Nordthüringen herrscht zwischen allen Netzwerkpartnern Einigkeit, TiP leistet einen bedeutenden Beitrag zur Fachkräftesicherung in unserer Region.                  

Warum habt ihr euch für den Deutschen Demografie Preis beworben? Welchen Beitrag leistet euer Projekt bei der Bewältigung des Demografischen Wandels?

Mit der Bewerbung um den Deutschen Demografie Preis möchten wir das Projekt TiP in Deutschland weiter bekannt machen und dazu beitragen, dass mehr Regionen sich für einen nachhaltigen Berufsorientierungsprozess entscheiden. Schülerinnen und Schüler sollen so auch über Nordthüringen hinaus die Möglichkeit haben, einen kontinuierlichen Praxisbezug bei ihrer Berufswahlentscheidung zu haben. Unser Beitrag für die Bewältigung des Demografischen Wandels:  In Nordthüringen kommen auf 100 Beschäftigte über 55 Jahren gegenwärtig nur 37 Jugendliche unter 25 Jahren. Das macht die Fachkräftesicherung zu der zentralen Aufgabe in unserer Region. Mit TiP möchten wir dazu beitragen, dass der Fachkräftebedarf in Nordthüringen nachhaltig gedeckt wird, indem weniger junge Menschen für eine Berufsausbildung abwandern, mehr eine betriebliche Ausbildung in der Region aufnehmen und weniger Ausbildungsabbrüche stattfinden. „Die Nominierung hat gezeigt: wir sind auf dem richtigen Weg! Unabhängig davon, ob wir den Demografie Preis gewonnen haben, ist TiP bereits jetzt ein Gewinn für die Region: Schülerinnen und Schüler profitieren davon ebenso wie die Unternehmen“, fasst Karsten Froböse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Thüringen Nord, die Bewerbung um den Deutschen Demografie Preis zusammen. 

Was hat euch an der Preisverleihung besonders gefallen bzw. was ist eure schönste Erinnerung an den Abend? 

Die Preisverleihung in Jena war eine sehr wertschätzende Veranstaltung. Sie war eine gute Gelegenheit, die weiteren nominierten Projekte näher kennenzulernen und sich miteinander auszutauschen.