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Der Deutsche Demografie Preis zeichnet innovative Projekte im Umgang mit dem demografischen Wandel aus – welche Bedeutung hat diese Bühne speziell für Regionen wie Thüringen?
Die Thüringer Regionen sind seit Jahren mittendrin im demografischen Wandel. Manche wachsen leicht, vor allem durch Zuwanderung, aber in vielen Regionen ist die Bevölkerung geschrumpft. Insgesamt sank die Thüringer Bevölkerung seit 1990 von 2,6 Millionen auf 2,1 Millionen. Die Geburten sanken in Thüringen seit 1990 auf ein Drittel. 2025 verzeichnete die Thüringer Bevölkerung den höchsten Rückgang seit 17 Jahren. In einzelnen Regionen stellen sich Fragen wie: Wer bringt mir die Zeitung? Sicherlich ein Sprungbrett für Digitalisierung und die Thüringer Digitalwirtschaft, doch der Mensch wird weiter gebraucht. Digitalisierung und Zuwanderung gleichen den Rückgang der Bevölkerung nicht aus. Seit Jahren stehen immer weniger jungen immer mehr ältere Menschen gegenüber. Jenseits der aktuellen Konjunkturschwäche und strukturellen, vor allem geopolitischen Herausforderungen suchen viele Thüringer Unternehmen nach Arbeitskräften, Fachkräften, Auszubildenden und Nachfolgern. Die Unternehmen verstehen sich als Unternehmen, indem sie etwas unternehmen. Das Thema ist in Thüringen seit 20 Jahren ein Thema. Damit kann Thüringen ein Lernort sein für die Bewältigung demografischer Herausforderungen auch andernorts. So wollen wir Thüringen im Rahmen der Verleihung des Deutschen Demografie Preises 2026 gerne bundesweit positionieren.
Das Institut der Wirtschaft Thüringens beschäftigt sich intensiv mit Fachkräftesicherung und regionaler Entwicklung: Was macht eure Arbeit aus und was ist aus deiner Sicht das Besondere an der Region Thüringen im Umgang mit dem demografischen Wandel?
Thüringen liegt als Grünes Herz in der Mitte Deutschlands. Mit 2,1 Millionen Einwohnern, einem überdurchschnittlich hohen Industrieanteil, einer Vielzahl an spektakulären Forschungseinrichtungen und einer unvergleichlichen Kulturlandschaft sind wir eigentlich eine moderne Metropole, jedoch mit außerordentlich viel Grün dazwischen. Es lohnt sich, nach Thüringen zu kommen und zu bleiben. Die ursprüngliche Idee der Politik, mit dem Wiedererstarken der Thüringer Wirtschaft auch abgewanderte Thüringer wieder zurückzuholen, hat nicht gefruchtet. Vor diesem Hintergrund hat sich das IWT – Institut der Wirtschaft Thüringens in der Bürogemeinschaft der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände als Transfereinrichtung in die Thüringer Wirtschaft bereits vor mehr als einem Jahrzehnt verstärkt den jeweiligen Bedarfen der Thüringer Unternehmen zugewandt. In Projekten wurden, zusammen mit der regionalen Wirtschaft, den Kammern und Verbänden, wie dem Verband der Wirtschaft Thüringens (VWT), zum Beispiel das Thüringer Netzwerk Demografie (TND) organisiert, Demografie-Lotsen in Thüringer Betrieben ausgebildet und Demografie-Siegel vergeben. Davon zeugen Anstecker mit der Aufschrift: Zu gut für die Rente! Weiter organisiert das Institut Praxisaustausche zu Themen wie Internationale Fachkräfte. Die Schwerpunkte liegen bis heute in der Organisationsentwicklung und Personalarbeit. Die regelmäßigen Umfragen des Instituts unter den Mitgliedsbetrieben der Verbände zeigen, dass jenseits der konjunkturellen Entwicklung und geopolitischen Herausforderungen der Mangel an Arbeits- und Fachkräften als größte Herausforderung gesehen wird.
Viele ostdeutsche Regionen stehen vor besonderen demografischen Herausforderungen. Welche Impulse kann der Deutsche Demografie Preis aus deiner Sicht geben, um hier nachhaltige Lösungen und Kooperationen zu fördern?
Die Bedürfnisse und Bedarfe der Menschen sind sehr vielfältig. Es wird immer schrumpfende und wachsende Regionen geben. Der Deutsche Demografie Preis kann einerseits für das Thema sensibilisieren, zum anderen gute Beispiele und Erfahrungen sichtbar werden lassen. Sowohl eine schrumpfende als auch eine wachsende Bevölkerung stellen besondere Anforderungen. In Thüringen gibt es bereits sehr viel Engagement und Erfahrungen. Allerdings ist auch die Politik gefordert, Anpassungen entsprechend der Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung in die eine oder andere Richtung vorzunehmen, insbesondere was öffentliche Infrastruktur und andere staatliche Vorleistungen anbelangt. So zum Beispiel drückt die Thüringer Politik aufs Tempo, Altstandorte für Neuansiedlungen freizumachen. Damit gehen Fragen wie etwa zum Wohnungsbau einher. Sicherlich lässt sich nicht alles kopieren. Jena ist der Optik-Cluster weltweit. Aber Manches lässt sich übertragen. Der Deutsche Demografie Preis 2026 in Jena hat viele Thüringer Projekte veranlasst, sich zu bewerben und sich den fachlichen Jurys in vier Preiskategorien zu zeigen. Damit ist der erste Schritt in die richtige Richtung getan, den Austausch zwischen Unternehmen in der Region zu stärken und voneinander zu lernen. Als IWT – Institut der Wirtschaft Thüringens werden wir den Transfer von Ideen und Erfahrungen weiter unterstützen und regional organisieren.