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"Wir laufen Gefahr, die Basis für unser wirtschaftliches Wachstum zu verlieren"

Das Demographie Netzwerk ddn ist Initiator und Träger des Deutschen Demografie Preises. Als Impulsgeber und Netzwerk, in dem sich zahlreiche Unternehmen zu Themen des demografischen Wandels austauschen, bietet ddn die perfekte Plattform für die Verleihung des Preises und die erfolgreiche Zusammenarbeit der Initiator*innen-Gruppe, die den Preis in diesem Jahr zum dritten Mal gestaltet.

ddn-Vorstandsvorsitzender Rudolf Kast erklärt, worum es beim Deutschen Demografie Preis geht und was gegen den Fachkräftemangel hilft.

Herr Kast, warum verleihen Sie den Demografie Preis?

Als Demographie Netzwerk befassen wir uns schon seit der Gründung unseres Netzwerkes 2006 mit dem demografischen Wandel. Mit dem Preis wollen wir ganz gezielt den Blick der Öffentlichkeit auf die Bedeutung gesellschaftlicher Veränderungen lenken. Wir zeigen mit der großen Bandbreite an nominierten und preisgekrönten Projekten, wie unterschiedlich man den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnen kann. Das Thema ist eines der drei wichtigen strategischen Zielsetzungen der aktuellen Bundesregierung und in den Auswirkungen – siehe Fachkräftemangel oder Rentenpolitik – heute schon wirksam. Wenn es uns beispielsweise nicht gelingt, den Fachkräftemangel abzufedern, laufen wir Gefahr, die Basis für unser wirtschaftliches Wachstum zu verlieren.

Was sind wirksame Rezepte gegen den Fachkräftemangel?

Zuallererst gilt es, ältere Beschäftigte länger in Unternehmen zu halten. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, zum Beispiel, die Lust am Lernen zu fördern, die Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit sowie ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement. Zudem kann durch Coaching Mitarbeitenden im fortgeschrittenen Alter neue Perspektiven eröffnet werden, etwa durch „Mosaikkarrieren“, also Karrieren als Fachexperte oder im Projektmanagement. Es gibt viele Möglichkeiten, den Fachkräftemangel zu lindern – einige davon repräsentieren die Kategorien des Deutschen Demografie Preises. Die Themen Diversity und Nachhaltigkeit sind hier besonders wichtig. Es geht um die Frage, wie gute Zusammenarbeit in altersgemischten Teams gelingt. Es gilt, eine Kultur der Wertschätzung zu etablieren, in der die unterschiedlichen Werte mehrerer Generationen respektiert werden.

Großes Erwerbspotenzial – und das haben wir unter anderem beim letztjährigen Freiburger Unternehmersymposium zum Thema „Frauen in Führung“ gesehen – bietet die Steigerung der Teilzeitarbeit von Frauen. Die Frauenquote allein genügt nicht. Es geht hier unter anderem auch um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und um eine systematische Personalentwicklung von Frauen in Führungsrollen. Das ist ein Ausschnitt der Themen, für die der Deutsche Demografie Preis Fenster öffnet, und zeigt, was schon geht.

Welche Rolle spielt die von Ihnen repräsentierte Kategorie „Gemeinsam wirken – Bündnisse schmieden“?

Der Demografie Preis ist Ausdruck des Netzwerkgedankens, den wir bei ddn leben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir immer weniger alleine schaffen und stärker auf Ökosysteme angewiesen sind – weniger IQ, mehr WeQ. Daher finde ich es großartig, wie sich der Demografie Preis in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat. Der Kreis der Initiator*innen und Partner*innen wächst, der Preis findet in der Berichterstattung statt. Wir haben hier eine gute Marke geschaffen. Indem wir Leuchtturmprojekte auszeichnen, leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, die Vielfalt gelebter Demografiekonzepte zu zeigen.